Ein Jahr fast vegan!

Mittlerweile ist es schon über ein Jahr her, dass ich den Entschluss gefasst habe, es mit der rein pflanzlichen Ernährung ernst zu nehmen – ein definitiv guter Beschluss :-)!!! Die entsprechenden Zweifel, Informationen und Gedanken hatte ich schon seit längerem… eigentlich habe ich im ganzen Jahr 2011 schon versucht, öfters mal etwas rein Veganes zu essen und sogar ab und an mit dem Gedanken gespielt, vegan zu werden. Aber die Macht der Gewohnheit war stärker…noch.

Zwei Ereignisse haben mir die letzte Motivation gegeben, das Thema wirklich ernst zu nehmen. Am 9.4.2011 – ich wohnte zur dieser Zeit noch in Dänemark – machte ich einen Fahrradausflug. Es war der erste richtig warme, geradezu sommerliche Tag. Ein HERRLICHER Tag. Ich radelte durch die schöne jütländische Landschaft Richtung Limfjord. Irgendwann kam ich an einem Bauernhof vorbei mit einem offenen Kuhstall. Der Kuhstall war recht modern, wahrscheinlich sogar ein sogenannter „Vorzeigestall“, denn wo sonst stehen Kühe im Stall an der frischen Luft und können nach draußen schauen? Trotzdem hatte ich ein extrem trauriges Gefühl an diesem Stall vorbeizufahren. Eine Kuh verfolgte mich mit dem Blick, schaute mir die ganze Zeit hinterher. Resigniert, machtlos, traurig. Ich konnte mich von der Kuh nicht losreißen. Ich dachte an diesem Moment an die Worte einer Veganerin, die ich in einem Internetforum gelesen hatte. Welch befreiendes Gefühl es sei, wenn man allen Tieren ebenbürdig und aufrichtig in die Augen schauen könnte mit dem Wissen, nicht an ihrer Ausbeutung beteiligt zu sein. In mir wuchs der Wunsch, dieses Gefühl auch zu erleben…

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Nichtsdestotrotz aß ich weiter Milchprodukte. Auf Eier verzichtete ich auch noch nicht vollständig. Als ich dann Weihnachten 2011 Karin Duves „Anständig essen“ geschenkt bekam und dieses Buch verschlung, war der zweite Schritt getan: Ich war überzeugt, das Veganismus die ethische(re) Variante des Vegetarismus ist und voller Motivation, mich in das Abenteuer zu stürzen!

Wie sieht es nun aus, 1 Jahr später? Zeit für eine Bilanz.

  1.  Ich kann mich nach wie vor nicht vegan nennen, denn ich mache bei Milchrodukten hin und wieder Ausnahmen, trage Lederschuhe und esse Honig. ABER: Das ist mir ziemlich egal. Die Ausnahmen sind wirklich Ausnahmen und zwar kleine Ausnahmen. Denn wenn ich mal eine (oder zwei ;-)) Praline(n) mit Milchanteil esse, ist das immer noch etwas anderes, als wenn ich einen gigantischen Käserampen verschlinge oder mir ’ne Packung Eier aufschlage. Apropos Eier. Die esse ich wirklich so gut wie gar nicht mehr. Davon abgesehen sollte man sich ja auch nicht völlig einer Dogmatik unterwerfen ohne diese zu hinterfragen. Veganismus ist nicht der Weisheit letzter Schluss, sondern der Ansatz einer ethischeren Lebensweise. Hinterfragen ist trotzdem erlaubt. Meine hochwertigen Lederschuhe, die ich viele Jahre trage, möchte ich nun mal nicht mit Plastikschuhen auf Erdölbasis ersetzen. Nur weil ein Produkt etwas vegan ist, ist es nicht automatisch besser.
  2. Solange man nicht unterwegs oder eingeladen ist, ist es erstaunlich einfach, sich vegan zu ernähren. Und es ist nicht nur einfach, es schmeckt meist auch noch richtig gut, wenn man sich ein klein wenig Mühe gibt… das muss sogar jeder Fleischesser bestätigen (und er wird es auch garantiert tun, wenn man ihm vorher nicht erzählt, dass das soeben genossene Essen vegan war ;-)).
  3. Ich war 2012 kein einziges Mal krank und habe so gut wie überhaupt keinen Heuschnupfen gehabt. Das mit dem Heuschnupfen ist sehr interessant und wird weiter verfolgt… ansonsten war ich bislang aber generell mit guter Gesundheit gesegnet. Es wäre falsch hier einen korrelativen Zusammenhang zwischen rein veganer Ernährung und Virenanfälligkeit herzuleiten. Fest steht nur: ich habe nicht abgenommen, nicht zugenommen, bin weder blasser noch kränker geworden… alles im grünen Bereich!
  4. Durch meine Ernährungsumstellung habe ich viele neue Rezepte ausprobiert und so viele interessante neue Zutaten und Lebensmittel kennen und schätzen gelernt, die ich sonst nie ausprobiert hätte. Vegane Küche bereichert definitiv!
  5. Trotz dieser ganzen Vorteile muss ich aber eingestehen, dass vegan zu kochen 1) Arbeit macht, wenn es schmecken soll und 2) kurzfristig betrachtet nicht gerade preiswert ist, wenn man diverse exotische Zutaten nur aus dem Bioladen bekommt (Mandelmus für 10,99 pro 500g lässt grüßen).  Und wenn man unterwegs is(s)t und gewisse Ansprüche an seine Ernährung stellt, wird es richtig schwierig (deshalb mache ich im Urlaub auch ständig Ausnahmen…).

Ich denke, ich mache erst mal so weiter. Ich bin gerade ganz zufrieden mit meinem strengen Vegetarismus bzw.  inkonsequenten Veganismus. Ich habe meinen Konsum an tierischen Produkten binnen eines Jahres um ca. 90% reduziert und finde das bereits eine ganze Menge. Nicht um jeden Preis muss ich auch die letzten geschätzen 10% eliminieren, denn wie gesagt ist meiner Meinung nach Veganismus nicht per se die ethisch eindeutig zu bevorzugenden Alternative, Stichwort Ersatzprodukte auf Palmöl- oder Erdölbasis…

Das hier sind übrigens meine veganen „tops“ und „flops“:

Tops 🙂

  • Mandelmilch (umwerfend lecker)
  • Avocado (genial als Brotaufstrich)
  • vegane Lasagne mit Grünkernschrot (besser als das Original!), Tofu-Sellerie Bolognese (muss man mögen)
  • Schoko-Sojapudding, Kassler, Thüringer Bratwürste und vegane Roulade von Wheaty… damit werden die meisten Gelüste nach ungesunden Tierprodukten erfolgreich gestillt 🙂
  • Lucky Leek (umwerfend leckeres Essen anbietendes veganes Restaurant in Berlin) und Aed (sehr preiswertes Restaurant in Tallinn… fast alles vegan und bio!)

Flops 😦

  • Sojajoghurt…gezuckert und ekelig. Kein Vergleich mit dem Original und vor allem kein Ersatz
  • Sojabigsteaks und vegane Salami
  • veganer Eiersatz aus Australien
  • das Kochbuch „Vegan Kochen für alle“. Ich habe mehrere Rezepte getestet und geschmeckt hat mir keins. Das vegane Restaurant „Kopps“ in Berlin, das vom Autor des Buches betrieben wird, hat mich übrigens trotz seiner positiven Bewertungen genauso enttäuscht

In den nächsten Wochen werde ich vermehrt Rezepte des mir bis vor kurzem noch unbekannten veganen Kochs Att*la ausprobieren. Bin gespannt…! Das einzige bislang getestete Rezept war jedenfalls sehr vielversprechend 🙂

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