Osterauszeit

Oder: „In der Kürze liegt die Würze“

Unser Osterurlaub war zwar kurz, aber umso schöner.  Seit langer, langer Zeit waren wir mal wieder im „Süden“, d.h. in Bayern – in einer vielleicht etwas weniger spektakulären, dafür aber noch recht ursprünglichen Ecke, wo man als Tourist nicht das Gefühl hat, über den Tisch gezogen zu werden.

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Mit dem Wetter hatten wir trotz zeitweiligem Schnee Glück. Im Prinzip habe ich ja nichts gegen Schnee (im Gegenteil!), sondern nur gegen grauen Schneematsch. Davon blieben wir aber wegen der kühlen Temperaturen glücklicherweise verschont. Während es im Tal weitgehend schneefrei und oft sogar sonnig war, lag etwa 100 m höher im Wald noch eine geschlossene Schneedecke, auf der man prima wandern konnte ohne im Matsch zu versinken und nasse Füße zu bekommen.

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Trotzdem hat mir ein Tag wandern voll gereicht. Am Ostersonntag waren wir im nahegelegenen Tschechien (völlig planlos ohne Straßenkarte/Navi und Mautvignette…) unterwegs. Mir war die Gegend noch aus Kindheitsurlauben „bekannt“. Damals beherrschten im Grenzgebiet verfallene Häuser, leichte Damen, scheibenputzende Kinder und etwas später dann zeltstadtartige Vietnamesenmärkte mit gefälschten Markenprodukten das Straßenbild (bzw. das ist in meinem Gedächtnis haften geblieben… ). Heute ist das Bild ein ganz anderes. Einige der Vietnamesenmärkte gibt es zwar immer noch, aber die meisten Häuser sind renoviert und sehen teilweise sogar gepflegter aus als in Bayern. Ich habe große Lust, das Land irgendwann einmal besser kennenzulernen … und vielleicht ein paar Brocken Tschechisch zu lernen.

DSC_0514In Franzensbad, auf Tschechisch Františkovy Lázně

Ja, und dann war da ja noch der Wellnesstempel… also auf bayerischer Seite. Die neuerbaute Saunalandschaft hat mich nicht ganz überzeugt, aber der orientalische Badetempel, gebaut im Stil eines türkischen Hamams, war wirklich etwas Besonderes. Ich war zwar noch nie im Orient, aber genau so stelle ich mir zumindest ein Hamam vor. Bis auf den Ruheraum waren alle Räume fensterlos, von oben bis unten mit Marmor und Fliesen ausgekleidet, es duftete nach Kräutern und ja, die Dampfkammern waren so voller Dampf, dass man kaum etwas sehen konnte. Für den Kreislauf fand ich die orientalische Badeprozedur deutlich weniger anstrengend als eine Sauna, dafür habe ich aber extrem viel mehr geschwitzt. Der Haut hat es auch sehr gut getan – bis auf meinem Gesicht. Das ist irgendwie gegen alle Behandlungen resistent…

DSC_0511Sündiges, aber leckeres Osterfrühstück

Das war der schöne Teil der Reise. Aber es wäre zu untypisch für mich, wenn immer alles ganz glatt laufen gehen würde… So gab es auch zwei weniger nette Zusammenstöße. Als ich ein unschuldiges Foto von einem bestimmten Gebäude knipste, wurde ich vom Grundstückseigentümer mit wappenbesetztem Lodenhut und Jagdhund aufgelauert und unter übelstem Geschimpfe (dessen Wortlaut ich nicht hier niederschreiben mag) und Androhung einer Polizeianzeige vom offiziellen Wanderweg und Wanderparkplatz vertrieben.

Ich habe mich wie im falschen Film gefühlt. Das Haus war früher mal ne Sehenswürdigkeit und Gaststätte. Und meine Eltern haben ein Ölgemälde zu Hause davon. Ich wollte nur ein Foto machen. Und weil ich gesehen hatte, dass Leute im Garten waren (die mich aus gebührender Entfernung feindseelig anstarrten und ihren Hund zum Zaun schickten), bin ich auf dem offiziellen Wanderweg bis weit hinters Haus gegangen, damit sich niemand gestört fühlt. Tja, dass mir der Typ folgt und sich hinter einem Holzstapel versteckt, bis ich auf den Auslöser drücke … damit hatte ich nicht gerechnet. Sämtliche Kommunikationsversuche mit dem bayrischen Hitzblut waren absolut fruchtlos.

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Als ob das noch nicht gereicht hätte, hat es dann auch noch eine bayrische Katze auf mich abgesehen. Ich bin ja eigentlich kein Katzenmensch, aber als ich den großen, schwarzen Kater in der Einfahrt sah, konnte ich es trotzdem nicht sein lassen, ihn anzulocken. Und wie auf Kommando schnurrte er herbei, schlich um meine Beine, maunzte, miaute und rieb sein Köpfchen in meiner Hand. Und dann auf einmal: im Bruchteil einer Sekunde sehe ich ein panterartiges Monster an mir hochspringen, zwei teuflische gelbe Augen und zwei riesige Pranken mit ausgefahrenen Krallen, die just in dem Moment meine Hand umschließen. Piiiiiiiiieks! Gottseidank funktionierten meine Reflexe schnell. Ich schüttelte das Biest von meiner Hand, das nun die Pranken fauchend in meine neue Hose bohrte. Da half dann nur noch ein reflexartiger, aber wirkungsvoller Tritt mit dem Bein. Ich war fassungslos und verstehe es immer noch nicht. Von Katzen habe ich jedenfalls erstmal die Nase voll. Und alle Katzenhalter und -liebhaber, die diesen Beitrag lesen, frage ich: Ist das normal, dass eine Katze so aus dem heiteren Himmel zur Attacke übergeht?!

Zugegebenerweise habe ich mich über das bayrischen Hitzblut wirklich sehr geärgert und fühlte mich absolut ungerecht behandelt. Und auch dem Kater nehme ich die Attacke ziemlich übel. Aber insgesamt, also summa summarum, war es trotzdem sehr, sehr schön und die allermeisten Leute waren auch überaus freundlich 😉 .

DSC_0497Vollmond über dem Tillenberg

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