Janet Skeslien Charles: Moonlight in Odessa

Eigentlich lese ich nicht sonderlich viel. Und wenn ich lese, dann lese ich an manchen Büchern monatelang, weil sie mich nicht richtig fesseln. Deshalb ist es definitiv was Besonders, wenn ich hier im Blog ein Buch vorstelle.

Mond über Odessa

„Måneskin i Odessa“ [Originaltitel: Moonlight in Odessa; deutscher Titel: Mond über Odessa] von Janet Skeslien Charles habe ich im Juni in Dänemark im Ausverkauf erworben. Der Klappentext sprach mich total an, aber ich war trotzdem skeptisch. Eine Amerikanerin, die mir was über das Leben in der Ukraine erzählen will…?! Letzlich griff ich trotzdem zu, denn für 39 Kronen konnte man ja nicht viel verkehrt machen.

Welch‘ ein Glück! Das Buch hat mich von der ersten bis zur letzten Seite gefesselt. Es wird die Geschichte der 23-jährigen Daria aus Odessa in der Ukraine erzählt. Daria sehnt sich nach dem vermeintlich sicheren und luxuriösen Leben in Amerika und verlässt schlussendlich ihre innig geliebte Heimatstadt Odessa, ihre Oma, ihre geschätzte Arbeit und ihren attraktiven Schwarm (Mafia-Boss Vlad ^^) für einen amerikanischen Trottel, den sie über Ihren Nebenjob in einer Partnervermittlungsagentur zwischen ukrainischen Frauen und amerikanischen Männern kennengelernt hat. Es geht einerseits um Entscheidungen, Männer, Berechnung, Liebe, Sicherheit, Intrigen, verratene Freundschaft, andererseits aber ebenso um Odessa, die Ukraine, ukrainische Kultur, amerikanische Kultur und den Kulturschock.

Mit anderen Worten: Die absolut perfekte Mischung für mich. Ich interessiere mich brennend für andere Kulturen und das Leben in (Post-)Sowjetländern – damit mich ein Roman so richtig fesselt, brauche ich aber auch eine lebendige Erzählung und einen spannenden Plot. Janet Skeslien Charles löst das meiner Meinung nach perfekt. Sie weiß, wovon sie schreibt, hat selbst 2 Jahre in der Ukraine gelebt und für russiche Frauen/amerikanische Männer übersetzt. Mit Daria hat sie eine überaus sympathische Protagonistin geschaffen. Und ihr Schreibstil ist einfach wahnsinnig geschickt und mitreißend.

Vor diesem Buch habe ich von Henning Mankell „Leopardens Öga“ [Das Auge des Leoparden], das über das Leben als Weißer in Schwarzafrika erzählt, gelesen. Auch bei dem Roman hat man deutlich gemerkt, dass Henning Mankell ganz genau weiß, worüber er schreibt. Aber mein Gott – welch‘ langatmiger Handlungsaufbau (!), welcher Pessimismus, welche düstere Stimmung… Ich habe mich regelrecht durchgequält. Bei Moonlight in Odessa war es ganz anders. Hier ist Ernsthaftigkeit und Traurigkeit mit bittersüßem Humor gemischt – Kurzweiligkeit garantiert.

Wenn ihr das Buch noch irgendwo in die Finger bekommt (scheint gar nicht mehr neu verlegt zu werden?), dann schlagt zu.

Meine Bewertung: ⭐ ⭐ ⭐ ⭐ ⭐

(das Ende fand ich zwar ein wenig seltsam, aber ich will mal nicht so kleinlich sein)

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