Was unser Essen mit Bienen zu tun hat (Bienen II)

Heute geht’s in meiner kleinen Bienenserie um die Bedeutung der Bienen für uns Menschen.

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Angeblich soll sich ja schon Einstein einst über die Abhängigkeit der menschlichen Existenz von den Bienen geäußert haben. Aber da es umstritten ist, ob das Zitat von wirklich von ihm stammt, lasse ich es mal lieber weg. Letztlich braucht es auch keine Autoritäten, die der Sache irgendwie Glaubwürdigkeit verleihen, sondern ein Blick auf die harten, wissenschaftlichen Fakten genügt: Ohne Bienen sehen wir  – oder zumindest unser Speiseplan! – alt aus.

Dabei geht es nicht um Honig, der wirklich nur einen sehr geringen Teil der wirtschaftlichen Bedeutung von Bienen ausmacht, sondern um alle anderen Pflanzen, die auf Bienenbestäubung angewiesen sind, und deren Früchte, Samen oder vegetative Teile wir essen. Und das sind eine ganze Menge!

Wie wichtig ist Bienenbestäubung für Kulturpflanzen?

87 der 124 Kulturpflanzen (gemäß FAO 99% der Weltproduktion) werden in ihrem Ertrag positiv durch Tierbestäubung beeinflusst. Tierbestäubung, das heißt meist Insektenbestäubung und Insektenbestäubung heißt meist Bienenbestäubung, denn Bienen sind mit Abstand die wichtigste Bestäubergruppe. Besonders universell talentiert ist dabei die Honigbiene, denn ungefähr 85% aller Blühpflanzen, die auf Insektenbestäubung angewiesen sind, können von der Honigbiene bestäubt werden. Die soeben genannten 87 wichtigen Kulturpflanzen, die auf Tierbestäubung angewiesen sind, machen 35% der globalen Nahrungsmittelprodukten (also dessen, was direkt für die menschliche Ernährung produziert wird) aus. Die restlichen 60% (hauptsächlich Getreide & Co.) sind unabhängig von der Tier- bzw. Bienenbestäubung und in der Regel windbestäubt. Bei den übrigen 5 % weiß man noch nicht genau, was Sache ist.

Welche Pflanzen sind auf Bienen angewiesen?

Bei aller Wertschätzung der Bienen muss man fairerweise einräumen, dass die meisten Pflanzen nicht vollständig von Bienen bzw. Bestäuberinsekten abhängig sind. Es gibt zwar einige Kulturpflanzen, die ohne Bienen > 90% Ertragsverlust zeigen… aber bei den meisten sind es doch etwas weniger. Aber 50% Ertragsverlust ohne Bienen sind ja auch eine ganz schöne Hausnummer, oder? Und solche oder ähnliche Zahlen gelten wirklich für eine ganze Reihe von Kulturpflanzen!

Generell kann man sagen, dass Obst und Beeren stark von Bienenbestäubung abhängig sind. Um mal einige konkrete Beispiele zu nennen: Für Wassermelone und Kiwis sind Bienen absolut unerlässlich ebenso für Kürbisgewächse wie unsere (geliebte?) Zucchini. Auch Äpfel, Kirschen, Johannisbeeren, Himbeeren und Gurken brauchen Bienen.

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Was passiert mit unseren Lebensmitteln, wenn es keine Bienen mehr gibt?

Eine interessante Frage ist, was eigentlich so aus unserer Nahrungsmittelproduktion werden würde, wenn es keine Bienen mehr gäbe (eine nicht ganz aus der Luft gegriffene Frage angesichts des Massensterbens der Honigbiene und der Gefährdung der Wildbienen). Würden wir dann alle verhungern? Ganz so dramatisch ist es wohl nicht. In einer wissenschaftlichen Untersuchung aus dem Jahr 2009 hat man berechnet, dass wir in den Industrieländern ohne Bienen etwa 3-5% Ertragseinbußen hätten, in den Entwicklungsländern, wo heute der Großteil aller Nahrungsmittel produziert wird, wären es etwa 8%.

Vielleicht geht es euch wie mir und euer erster Gedanke ist: „Doch nur so wenig? Kann das denn überhaupt sein, wenn doch die meisten Kulturpflanzen von Bienenbestäubung abhängig sind?“ Ja, das kann sein. Weil eben die meisten Pflanzen nicht 100% abhängig sind. Und die, die sehr stark abhängig sind, werden eben nicht in so gigantischen Mengen angebaut. Man denke z.B. an die ganz von der Bienenbestäubung abhängige Wassermelone und überlege sich mal, wie viel % die wohl an der globalen Nahrungsmittelproduktion (in Megatonnen) ausmacht… EBEN.

Ja, diese Pflanzen machen vielleicht keinen so großen Teil der Produktion aus, aber wie sähe denn unser Speiseplan ohne Obst und Beeren aus? Ganz schön arm! Von der Vitamin-C Versorgung mal ganz zu schweigen.

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Außerdem beobachtet man schon seit den 1960er Jahren den ungebrochenen Trend, dass der Anteil der insektenbestäubten Kulturpflanzen an der Nahrungsmittelproduktion immer stärker zunimmt.  Dabei muss man sagen, dass insektenbestäubte Kulturpflanzen in der Regel nicht zu den produktivsten zählen, d.h. sie brauchen ziemlich viel Fläche. Wenn es hier Ertragsrückgänge gibt durch Bestäubermangel und man versucht, den Ertragsausfall allein durch Hinznahme neuer Flächen zu kompensieren – ja, dann wird der Platz auf dem ohnehin schon zu engen Planeten noch viel enger…

Seid ihr noch bei der Stange oder wird es gerade zu theoretisch? Dann zurück zur Realität und auf nach China! Hier gibt es nämlich eine Region, in der es keine Bienen mehr gibt. Und keine Vögel. Googelt mal nach Sinchuan. Dort werden die Obstbäume von Menschen per Hand bestäubt. Mich schockieren und bedrücken diese Bilder sehr. Ganz ehrlich, das hat für mich was von Weltuntergang. In China, wo Arbeitskraft billig ist, mag man noch mal Leute auf die Bäume schicken können, aber weltweit ist das sicherlich kein praktikables Modell.

Hat Bienenbestäubung noch weitere Vorteile außer mehr Ertrag?

Ein ganz wichtiger Aspekt ist übrigens, dass Bienen nicht nur der Ertrag steigern, sondern auch qualitativ verbessern. Wundervoll anschaulich zeigt das eine Studie der Uni Göttingen, die kürzlich weltweit für Aufsehen gesorgt hat. Es wurde untersucht, wie sich Erdbeeren voneinander unterscheiden, die a) bienenbestäubt, b) windbestäubt und c) selbstbestäubt wurden. Zur Interpretation der Ergebnisse, braucht man kein wissenschaftliches Studium, man sieht es auf den ersten Blick:

(Quelle: http://www.uni-goettingen.de/de/3240.html?tid=474)

Die bienenbestäubten Erdbeeren sind größer, schwerer, wohlgeformter, röter und vor allem auch länger haltbar, d.h. es muss nicht nur weniger vorher aussortiert werden („nicht marktfähig), sondern auch weniger weggeworfen werden.

Fortsetzung folgt…

Quellen:

Aizen, M.A., Garibaldi, L.A., Cunningham, S.A. & Klein, A.M. (2009): How much does agriculture depend on pollinators? Lessons from long-term trends in crop production. Annals of Botany 103: 1579-1588.

Eilers, E.J., Kremen, C., Smith Greenleaf, S., Garber, A.K. & Klein, A.M. (2011): Contribution of pollinator-mediated crops to nutrients in the human food supply. PLoS ONE 6: e21363. doi: 10.1371/journal.pone.0021363.

Klatt, B. K., Holzschuh, A., Westphal, C., Clough, Y., Smit, I., Pawelzik, E., Tscharntke, T. (2013): Bee pollination improves crop quality, shelf life and commercial value. In: Proceedings of the Royal Society B 281:1-8.

Klein, A.M. (2015): Bienen und ihre Bedeutung für die Bestäubungsleistung von Nutzpflanzen. In: Lorenz, S., Stark, K. (eds.) Menschen und Bienen. Ein nachhaltiges Miteinander in Gefahr. Oekom-Verlag, München, S. 27-36.

Klein, A.M., Vaissière, B.E., Cane, J., Steffan-Dewenter, I., Cunningham, S.A., Kremen, C. & Tscharntke, T. (2007): Importance of pollinators in changing landscapes for world crops. Proceedings of the Royal Society B 274: 303-313

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6 Gedanken zu „Was unser Essen mit Bienen zu tun hat (Bienen II)

    1. Nordmädchen

      Da schließe ich mich an! Gern weiterhin mehr davon! 🙂

      …und was die Biene bzw. jede Tierart betrifft: Ob nun mehr oder weniger nützlich, ist es immer traurig, wenn eine Tierart einfach ausstirbt. 😦

      Antwort
    2. Heike Autor

      Danke. Mal sehen, wann ich dazu komme weiterzuschreiben, weile momentan nämlich schon seit einer Woche im Finnenland…:)

      Antwort
    3. Heike Autor

      Bitte, bitte. Ist auch fuer mein löchriges Gedächtnis bisweilen ganz hilfreich, einige Dinge mal schriftlich festzuhalten ;).

      EDIT: Der Kommentar sollte eigentlich die Antwort fuer Frau Argh sein… bin grade in der Bibliothek, da hakt’s mit der Technik manchmal…

      Antwort
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