Meine Meinung zur Flüchtlingsdebatte

Kaum ein Blog, in dem derzeit nicht über Flüchtlinge geschrieben wird, meist unter dem Tag „Blogger für Flüchtlinge – Refugees welcome“. Und wenn’s zu einem Blogbeitrag nicht reicht, dann muss wenigstens ein Instagram-Foto her von den gespendeten Gegenständen oder dem neu erworbenen T-Shirt mit der Aufschrift „Refugees welcome“. Und dann wird sich gegenseitig beweihräuchert und über „den braunen Mob“ gewettert.

Vielleicht mache ich mich jetzt unbeliebt. Aber ich finde viele dieser Beiträge nicht besonders gelungen. Dass Gewalt gegen Fremde keine Lösung ist, ist vollkommen logisch. Dass man aber auch alle anderen, die die ganze Flüchtlingsthematik ein wenig kritisch betrachten, kollektiv als „brauner Mob“ (stellvertretend für alle anderen Ausdrücke aus dieser Richtung) beschimpft, finde ich ehrlich gesagt ziemlich daneben. Liebe Bloggerwelt: So funktioniert das nicht. Wenn man möchte, dass jemand seine Meinung ändert, wenn man jemanden zum Nachdenken anregen will, muss man ihn mit Respekt behandeln und seine Bedenken ernst nehmen – auch wenn man sie nicht teilen sollte. Oder lasst ihr euch von jemandem etwas sagen, der euch „Idiot“ nennt?

Aber ganz davon abgesehen, wollte ich noch etwas anderes schreiben. Flüchtlingen zu helfen ist eine Sache, Fluchtursachen zu verhindern und einzudämmen die andere. Und ich glaube wir sind uns einig, dass diese Sache im langen Lauf nicht nur deutlich schwieriger, sondern auch deutlich wichtiger ist – oder?

Insbesondere aus diesem Grund frage ich mich, wo die jetzt plötzlich laut gewordenen Stimmen denn damals waren…

… als gewisse Länder Libyen vom „bösen Diktator“ retten wollten und Deutschland sogar Feigheit vorgeworfen wurde, weil man sich einer militärischen Aktion enthielt?

… als der Syrienkonflikt entbrannte und gewisse Länder Waffen an die „guten Rebellen“ gegen den „bösen Diktator“ lieferten – umjubelt von den gleichgeschalteten Medien?

(und ganz nebenbei: welche Verantwortung zeigen jetzt die Länder, die damals an der Spitze der Einmischungspolitik standen, die schwere Waffen und große Worte geschwungen haben?)

Ich frage mich auch, wo sind die jetzigen Aktivisten, wenn es darum geht…

… den eigenen Konsum einzuschränken, weil es die Umwelt und damit die Lebensgrundlage vieler Menschen (und Tiere) nicht nur, aber vor allem in Entwicklungsländern zerstört?

… fair zu kaufen, für bestimmte Produkte ein bisschen mehr zu bezahlen, weil damit den Arbeitern – wo auch immer in der Welt sie sind – eine Lebensperspektive ermöglicht wird?

… unser Wirtschaftssystem umzukrempeln und den Wachstumsfetisch endlich zu verabschieden?

So lange sich diese Dinge nicht ändern, können wir noch so viele Kleider – genäht von unterbezahlten Arbeiterinnen in Pakistan oder Bangladesch, aus Baumwolle, die mit einem bunten Cocktail aus Pestiziden behandelt und mit Wasser aus austrocknenden Flüssen bewässert wurde, und ein paar Mal um die ganze Welt transportiert (billigem Al-Qaida Treibstoff sei Dank!), weil irgendein Arbeitsschritt irgendwo billiger ist – usw. usf. spenden: es mag dem einzelnen Individuum helfen, aber an der Gesamtsituation auf der Welt ändert es leider kaum etwas.

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Ein Gedanke zu „Meine Meinung zur Flüchtlingsdebatte

  1. Ulrike vom Bambooblog

    Danke für den Artikel! Ich hab mir meine Meinung zu den „Blogger für Flüchtlinge“ bislang verkniffen. Vielen Menschen ist es selbstverständlich, das ganze Jahr über zu helfen. Die meisten von ihnen tun dies ohne davon groß zu sprechen.

    Antwort

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