Honig (Bienen III)

… ist das Thema des letzten Teils meiner Bienenserie (Teil 1, Teil 2), die ich eigentlich schon im Sommer zum Ende bringen wollte. Was ist Honig, wie wird er hergestellt, was sollte man beim Honigkauf beachten und wie ethisch ist Honig eigentlich? Die letzte Frage kann ich zwar nicht abschließend beantworten, aber ich habe zumindest ein paar Gedanken zum dem Thema. Zu den anderen Punkten habe ich diesen Frühling/Sommer im Unikurs einiges Wissenswertes gelernt.

ACHTUNG, VIEL TEXT.

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Was ist Honig und woher kommt er?
Okay, die Frage klingt vielleicht etwas blöd. Aber mir waren diesbezüglich doch einige Dinge neu. Von den tausenden Bienenarten, die es gibt, gibt es nämlich nur sehr wenige Arten, die Honig produzieren. Das sind die Honigbienen. Hier gibt es ungefähr (= die Angaben sind nicht konsistent) 7 Arten und 44 Unterarten. Bei uns gibt es eigentlich nur die westliche Honigbiene mit ihren europäischen Unterarten. Die sogenannte „Killerbiene“, ein Hybrid zwischen europäischer und afrikanischer Honigbienen, sind in Amerika mittlerweile weit verbreitet. Sie produzieren viel Honig, zeigen aber ein extremes Verteidigungsverhalten…

Zur Honigentstehung will ich nicht zu viel schreiben, weil es mir doch leicht zu chemisch wird. „Bienenkotze“ trifft es aber auch nicht so ganz. Also hier die Kurzform: Bienen sammeln Pollen und Nektar. Während sie den Nektar aufsaugen, fügen sie im körpereigene Stoffe zu und transportieren ihn in einer Art Vorratsmagen – der Honigblase – zum Stock. Die Honigblase ist zum Darm mit einem Ventil abgeschlossen. Im Stock entleeren die Bienen dann ihre Honigblase und übergeben ihn an die Futterabnehmerinnen – von Rüssel zu Rüssel. Das passiert im Stock dann noch öfter und jedesmal mixen die Bienen wieder körpereigene Stoffe hinzu. So wird der Nektar haltbarer und es entstehen Stoffe, die das Wachstum von Bakterien eindämmen. Außerdem muss dem Honig Wasser entzogen werden. Das geschieht wieder mal durch verschiedene Prozeduren durch die Biene.  Ihr Übriges tut die mollig-warme Temperatur im Bienenstock, die sobald der eingedickte Nektar in den Wabenzellen eingelagert ist, weiteres Wasser verdunsten lassen.  Irgendwann beträgt der Wassergehalt des Honigs  zur noch 16-17 % und der Honig ist „erntereif“.

Wobei „erntereif“ ein sehr anthropozentrischer Begriff ist, denn eigentlich produzieren die Bienen den Honig ja für sich selbst, um über den Winter zu kommen.

Wissenswertes zur Honigernte und weiteren Verarbeitung
Der Imker beginnt normalerweise den Honig zu ernten, wenn die Bienen den Honig in den Waben verdeckelt haben. Dann ist der Honig auch aus Bienensicht reif für eine langfristige Lagerung.

Honigernte, das heißt, dass der Imker die Waben aus dem Stock nimmt und dann erst einmal entdeckelt. Dann werden jeweils einige Waben in die Trommel der Honigschleuder gestellt. Das ist so ein großer metallener Bottich, der mit einer Kurbel betätigt wird (zumindest die Honigschleuder bei uns im Institut war von dieser Sorte). Die durch die Betätigung der Kurbel entwickelte Fliehkraft sorgt dafür, dass der Honig aus den Waben an den Rand der Honigschleuder geschleudert wird. Dort fließt der Honig nach unten ab, wo er aus einem Hahn nach außen tritt, gefiltert wird und in Gefäße abgefüllt wird.

Fertig ist der Honig trotzdem noch nicht… er muss in den folgenden Tagen regelmäßig gerührt werden (z.B. 2 x 5 Minuten pro Tag), um der Bildung von groben Kristallen vorzubeugen und eine feinkörnige, cremige Konsistenz zu erhalten. Nach 10 – 21 Tagen bilden sich graue Perlmuttschlieren, die als Zeichen dafür angesehen werden können, dass der Honig abgefüllt werden kann.

Wie man sieht… vom Blütennektar zum verkaufsfertigen Honig ist es ein langer Weg…

Wie oft im Jahr Honig geerntet werden kann, lässt sich übrigens gar nicht so pauschal beantworten. Generell limitiert die Honigmenge die Blütenmenge. In Deutschland wird zwei bis maximal drei Mal pro Jahr Honig geerntet, das letzte Mail meist so um den 15. Juli. In Nordeuropa gibt es hingegen wegen der kürzeren Blühperiode meist nur eine Honigernte im Jahr. In tropischen Ländern kann rund um das Jahr Honig geerntet werden.

DSC_1887Unser selbst geernteter Honig

Was beeinflusst den Geschmack des Honigs?
Der Geschmack und die Zusammensetzung des Honigs wird ganz deutlich von den Nektarpflanzen, die den Bienen zu Verfügung stehen, beeinflusst.

Der erste Honig im Jahr, sogenannter Frühtrachthonig, ist in der Regel von Raps dominiert. Aber auch Obstbäume, Ahorn und Weißdorn sind im Frühjahr wichtige Trachtpflanzen. Im Sommer wird der Honig dunkler und deutlicher aromatischer. Der Pollen und Nektar von Himbeere, Brombeere und Linde ist dann häufig geschmacksgebend.

Sortenhonige
Honigbienen sind blütensteht und ortssteht, das heißt, dass die Bienen in der Regel erst eine Pflanzenart „fertig“ besuchen, bis sie zur nächsten wechseln. Somit ist es möglich, dass der Honig zum Großteil aus dem Nektar und den Blüten weniger Pflanzenarten bestehtWenn über 60% des Honigs von einer bestimmten Pflanze (z.B. Raps) stammt, darf er nach den Regeln des Deutschen Imkerbundes als Sortenhonig vermarktet werden.

Ob der erforderliche Anteil erreicht ist, kann nur durch eine Laboranalyse zuverlässig nachgewiesen werden. Der Imker selbst kann die Wahl der Trachtpflanzen zwar durch den Standort der Bienenbehausung beeinflussen, aber nicht kontrollieren – denn die Bienen können zu einem gewissen Grad immer noch selbst entscheiden, wo sie Pollen und Nektar sammeln. Zum Beispiel kann es sein, dass der Raps im Mai bei großer Hitze keinen Nektar bringt, sodass die Bienen sich ihre Tracht woanders holen – ein paar Flugkilometer stellen dabei kein Hindernis dar.

Selbst wenn der Honig nicht als Sortenhonig vermarktet wird, kann es sich durchaus um Sortenhonig handeln – vielleicht hatte der Imker einfach nur keine Lust/Zeit/Geld, eine Laboranalyse durchführen zu lassen…

Ein ganz besonderer Sortenhonig ist Waldhonig. Er wird nämlich nicht aus Nektar gewonnen, sondern aus den zuckerhaltigen Ausscheidungen (ja, es sind die rektalen…) von an Pflanzen saugenden Insekten.

Warum es sich lohnt einheimischen Honig zu kaufen
Im Supermarkt ist es euch sicher schon aufgefallen – es gibt dort kaum einheimischen Honig. Ein großer Teil des verkauften Honigs stammt aus Südamerika oder es handelt sich um Mischhonig, in dem Honig aus EU-Ländern mit Honig aus Nicht-EU-Ländern gemischt wird. Angesichts der Tatsache, dass Deutschland Weltmeister im Honigverbrauch ist, ist das vielleicht nicht gerade verwunderlich. Nur etwa 25 % des Honigkonsums kann von heimischen Imkern bedient werden. Wer Wert auf Qualität legt, sollte aber trotzdem versuchen, regional zu kaufen.

Große Honigabfüller bekommen ihren Honig überwiegend aus Argentinien und Mexiko. Bei Ankunft in Europa ist der Honig oft schon kandiert. Dies ist eine natürliche Eigenschaft eines jeden guten Honigs. Die Kandierung des Importhonigs auf dem Transportweg führt allerdings mit sich, dass der Honig in Europa erhitzt werden muss, damit er sich abfüllen lässt. Oft wird der Honig dabei über 40°C erhitzt. Tja… und da liegt der Hund begraben, denn Honig verträgt keine Hitze.

Wenn Honig erhitzt wird, sinkt die Invertaseaktivität, die ein wichtiges Qualitätsmerkmal von Honig darstellt. Sie steht für Frische und Naturbelassenheit. Ebenfalls steigt der HMF-Wert (Hydroxylmethylfurfural) – für Menschen ist das zwar ungefährlich, aber für Bienen wird der Honig beim Überschreiten eines gewissen HMF-Wertes sogar giftig.

Wer Honig kauft, der das Siegel des Deutschen Imkerbundes kauft, kann davon ausgehen, dass der Honig die recht strengen Minimal- bzw. Maximalwerte für Invertaseaktivität und HMF-Gehalt nicht unter- bzw. überschreitet. Importhonig aus fernen Ländern muss hingegen fast immer erhitzt werden und kann so den Qualitätskriterien nicht im gleichen Umfang genügen.

Da Honig keine Hitze verträgt, sollte man ihn übrigens auch nicht in den heißen Tee rühren, um die wertvollen Inhaltsstoffe nicht zu zerstören. Wobei ich mir aber einbilde, dass mir das trotzdem immer gut getan hat.

Meine Meinung zum Thema Ethik
Veganer bezeichnen Honig gelegentlich als „Bienenkotze“ und lehnen den Konsum grundsätzlich ab. Zugegeben, besonders appetitlich klingt die Honigherstellung wirklich nicht. Persönlich finde ich den Geschmack vieler Honigsorten direkt ekelhaft. Andererseits: Das ist die Natur. So viel feiner ist das Leben sonst eigentlich auch nicht. Ständig werden Abfälle und Ausscheidungen umgewandelt und es entsteht etwas Neues daraus…

Eine andere Frage ist es natürlich, wie ethisch es ist, den Bienen das wegzunehmen, was sie mühevoll gesammelt und verarbeitet haben zu ihrem eigenen Überleben. Für uns ist Honig ein Luxusprodukt und wir brauchen ihn eigentlich überhaupt nicht. Damit die Bienen trotz des entnommen Honigs gut über den Winter kommen, füttern die Imker zu – normalerweise mit einer Zuckerwasserlösung. Uns hat ein Imker gesagt, dass seiner Erfahrung nach die Bienen mit dem Zuckerwasser „wunderbar“ zurecht kommen… aber wenn man sucht, findet man natürlich auch kritische Stimmen.

Entscheidend scheint mir zu sein, wie viel Honig man den Bienen wegnimmt und wie viel man ihnen noch lässt. Teilweise produzieren sie mehr, als sie im Winter verbrauchen – da wäre es dann wohl nicht so schlimm, wenn man ihnen einen kleinen Teil wegnimmt. Leider habe ich keine Angaben darüber gefunden, wie viel den Bienen üblicherweise gelassen wird. Das ist sicher sehr vom individuellen Imker abhängig.

Wäre es aus ethischer Sicht beste Lösung, einfach gar keinen Honig mehr zu kaufen? Ich glaube nicht. In unserer Kulturlandschaft sind die Wildbienen stark bedroht. Für die Fortflanzung vieler Blütenpflanzen und auch für unsere Ernährung, die Kulturpflanzen, sind Honigbienen deshalb sehr wichtig. Sie mögen zwar nicht immer die optimalen Bestäuber sein, aber generell sind sie schon ziemlich effektiv und vor allem vielseitig, da sie bei uns etwa 80% aller Blühpflanzen bestäuben können. Für diese Leistung der Honigbienen ist bei uns aber bislang niemand bereit, entsprechend zu zahlen. Kaum ein Bienenhalter wird sich die ganze Arbeit mit den Bienen machen, nur weil er damit ein paar Bauern einen Gefallen tut oder die Vermehrung einiger hübscher Pflanzen sichert. Die Bienenhaltung wird erst durch den Verkauf von Honig lohnenswert. Meiner Meinung nach ist es wichtig, die ökologische Leistung der Imker zu honorieren und den weiteren Rückgang der Imkerei zu verhindern. Deshalb finde ich es völlig in Ordnung, wenn man ab und zu ein Glas regionalen Honig kauft.

Wer Honig aus ethischen Gründen kategorisch ablehnt, der sollte evtl. auch seinen Konsum von gewisse Kulturpflanzen wie Tomaten oder Heidelbeeren überdenken. Für die Bestäubung dieser Pflanzen werden zunehmend beispielsweise Hummeln eingesetzt. Wer will, kann sich eine Packung ein Volk Hummeln im Pappkarton bestellen und mit der Post schicken lassen. Ob diese Hummeln wohl glücklicher sind als die Honigbienen vom Imker auf der Streuobstwiese?

Und den Konsum von Mandeln, Mandelmuß und Mandeldrink sollte man auch überdenken. Ernsthaft. Ich trinke zwar immer noch ab und zu Mandelmilch, aber unbeschwert kann ich das nicht mehr tun. 80% der weltweiten Mandelproduktion stammt aus Kalifornien. In den riesigen Monokulturen haben heimische Wildbienen und andere Bestäuber keine Chance. Somit sorgen Imker mit ihren Völkern auf den Plantagen für eine professionelle Bestäubung. Anders als bei uns bekommen die Imker in den USA ordentlich Geld für ihre Bestäubungsdienstleistungen (Honig ist da nur ein lästiges Nebenprodukt…). Es ist daraus eine richtige Bestäubungsindustrie entstanden. Bienen werden in riesigen Trucks rund um das ganze Land gekarrt – immer dorthin, wo gerade etwas blüht. Für die Mandelbestäubung in Kalifornien werden jährlich 1,5 Mio. Bienenvölker eingesetzt. Man braucht nicht viel Phantasie, um sich auszumalen, welchem Stress dadurch Bienen ausgesetzt sind und wie anfällig sie für Krankheiten und Parasiten werden.

Die ethisch ganz saubere Variante scheint es irgendwie nicht zu geben. Deshalb komme ich für mich mal wieder zu der Schlussfolgerung, dass nicht das OB entscheidend ist, sondern die konsumierte Menge und die Qualität.

Wie seht ihr das?

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Hinweis:
Die meisten Infos habe ich aus dem Kurs bzw. mir im Internet angelesen. Die Richtigkeit der Angaben konnte ich nicht immer überprüfen. Wer es besser weiß, der schreibe einen Kommentar…

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8 Gedanken zu „Honig (Bienen III)

  1. Nordmädchen

    Ich kriege gerade einen ganz anderen Blick auf Honig und das Drumherum… Beim nächsten Honigkauf achte ich mal drauf, dass es regionaler Honig ist, mit dem entsprechenden Siegel.
    Mandelmilch habe ich nie getrunken, aber nun gedanklich gestrichen aus der Reihe möglicherweise mal zu probierender Lebensmittel. Die armen Tierchen…

    Antwort
    1. Nordmädchen

      P.S.: Danke für den Artikel und die damit verbundene Mühe, die Du Dir gemacht hast. Ist interessant geschrieben, auch für Laien verständlich und sehr aufschlussreich. 🙂

      Antwort
      1. Heike Autor

        Das freut mich zu hören… :)! Ja, es hat echt Mühe gemacht… aber irgendwo macht mir das Schreiben ja Spaß und man reflektiert Dinge auch noch mal für sich…

      1. Frau Argh

        Ja, das stimmt – aber gerade was diese Mandel-, Reis- und Sojadrinks angeht, war ich schon immer etwas skeptisch. Allerdings in Bezug auf zugesetzte Konservierungsstoffe und die Herstellung allgemein. Die Info jetzt dazu sorgt dafür, dass ich das auch nicht brauche. Hab ausserdem neulich was über die Sache mit den „Kaufhummeln“ für Tomaten gesehen…

      2. Heike Autor

        Mnja… und in Bezug auf normale Milchprodukte bin ich auch sehr kritisch aus Tierschutzgründen. Es ist so schwierig…

  2. Pingback: Blogchallenge: Die Geschichte dieses Blogs | vegrichtung

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