Archiv der Kategorie: Suomi – Finnland

Lappland im Winter. Über den Tourismus, – 30°C und das Eisloch

Vor ein paar Tagen war ich nach gut zwei Jahren wieder mit meinen Kollegen in Lappland. Schnee, Winter, Arktis, rosafarbener Himmel, Sauna, Eisloch, Husky, Motorschlitten… das ganze Repertoire. Mit den Kollegen unterwegs zu sein bedeutet immer unglaublich viel Programm in eine unglaublich kurze Zeit zu stopfen. Es ist zum Umfallen anstrengend, aber die gute Stimmung wiegt das meist wieder auf. Dieses Mal wollte sich jedoch der Nachtschlaf bei mir nicht einfinden. Tagsüber war ich so übermüdet, dass ich die Reise leider nicht richtig genießen konnte. Schade. Wir waren nämlich an allen Orten nur so kurz, dass ich sie gerne wenigstens mit allen Sinnen genossen und erlebt hätte anstatt mich nachts stundenlang in den Laken zu wälzen und am nächsten Morgen trotzdem zu spät zum Frühstück zu erscheinen, während die anderen schon ihre erste Erkundungstour hinter sich hatten.

Trotzdem möchte ich einige Gedanken und Erlebnisse hier teilen, denn Lappland im Winter ist für mich bislang immer eine Extremerfahrung gewesen, ein unvergessliches Erlebnis, das durchaus auch zwiespältige Gefühle in mir auslöst.

DSC_0182 (Medium)

Hauptstraße

DSC_0155 (Medium)

Winterwonderland

DSC_0191 (Medium)

Die Sonne, die erst vor wenigen Stunden über den Horzizont geklettert ist, sinkt schon wieder. Es ist Mittagszeit.

Weiterlesen

Blogparade Urlaubserinnerungen

Durch Zufall bin ich auf die Blogparade Urlaubserinnerungen auf www.reisen-fotografie.de gestoßen. Da Reisen, Fotografie und Urlaubserinnerungen für mich ein großes Thema sind, möchte ich mir die Gelegenheit nicht nehmen lassen, endlich mal an einer Blogparade teilzunehmen! Gleichzeitig nutze ich die Gelegenheit, den Blogbeitrag mit einigen fotografischen Sommererinnerungen zu verschönern, die bislang hier im Blog noch keinen Platz gefunden haben. Alle Bilder sind aus dem Saimaa-Seengebiet in Finnland.

Die Frage der Blogparade lautet: Wie konserviert Ihr die Erinnerungen an eure Reisen?

Reisen sind für mich ganz wichtig. Das war irgendwie schon immer so. Erstaunlicherweise kann ich mich an die meisten Reisen auch noch gut erinnern. Das liegt u.a. daran, dass bei uns schon immer viel fotografiert wurde, bevorzugt in Dia-Form.

DSC_1054

Jetzt, wo die digitale Fotografie Einzug erhalten hat, fotografiere ich natürlich noch viel mehr. Die ganze Festplatte ist voll, teilweise weiß ich nicht mehr wohin mit den Bildern. Längst nicht alle sind gelungen, aber selbst von den missratenen kann ich mich kaum trennen. Denn irgendeine Erinnerung tragen sie fast alle. Im Alltag blättere ich oft in meinen Fotodateien. Vielleicht auch dadurch erinnere ich mich so gut. Seit 2007 war ich jedes Jahr mehrere Male in Finnland – oft am gleichen Ort. Da könnte man leicht durcheinanderkommen, könnte man meinen. Aber nein, ich erinnere mich an jeden einzelnen Aufenthalt und kann sogar aus dem Kopf heraus noch das ungefähre Reisedatum nennen. Ich glaube kaum, dass mir das ohne die Fotos so gut gelingen würde.

DSC_1445 (Medium)

In meiner Kindheit und Jugend habe ich mich außerdem intensiv mit Reisebroschüren, Tickets und Fährgesellschaften beschäftigt. Besonders Schiffe ließen mein Herz höher schlagen. Um unsere Überfahrten nach Schweden brauchten sich meine Eltern seit ich etwa 10 Jahre alt war nicht mehr zu kümmern. Das war meine Leidenschaft. Ich bastelte Quartetts aus Fährschiffen, schrieb Reisetagebuch, imitierte das Schreiben von Reiseartikeln und sortierte alle (!) Urlaubsbroschüren, die mir in die Finger kamen, liebevoll und akribisch in große Curver-Kisten ein, die ich mit Register ausstattete und regelmäßig durchblätterte. Anfang Januar jeden Jahres begann ich Faxe zu verschicken und neue Fahrpläne und Broschüren zu ordern. Broschüren, die ich doppelt hatten, waren dankbares Bastelmaterial für allerlei Collagen. Und das ist nur die Spitze vom Eisberg (wo ich das hier gerade so schreibe, wundert es mich übrigens gar nicht, dass ich beruflich irgendwann bei einem Reiseveranstalter gelandet bin…!). Kurzum: die Reisevorbereitung, Nachbereitung oder einfach nur das Träumen von Reisen waren mir sehr wichtig. Und wenn man sich intensiv mit einer Sache beschäftigt, die einen wirklich interessiert, erinnert man sich meist auch viel besser. Auch deshalb kann ich ich wahrscheinlich so gut an viele Reisen und Urlaubsorte meiner Kindheit und Jugend erinnern.

DSC_1219 (Medium)

DSC_1280

Mittlerweile bin ich deutlich abgeklärter. Fährüberfahrten von und nach Finnland sind für mich normal geworden. Flugzeuge, mit denen ich in den letzten Jahren viel unterwegs gewesen bin, haben in mir noch nie positive Emotionen entweckt, ganz im Gegenteil. Irgendwie ist auch nicht mehr die Zeit da, sich mit allem so intensiv zu beschäftigen, man wird von so vielen anderen Dingen, die es früher noch nicht gab, abgelenkt (wie z.B. Internet). Dafür schreibe ich jetzt aber Blogartikel über einige meiner Reisen und mache mehr Fotos als früher. Vielleicht gleicht sich das aus und ich werde mich auch in Zukunft an die Reisen der heutigen Zeit genauso gut erinnern können wie an die Reisen vor 10-20 Jahren.  Die Zeit wird es zeigen.

DSC_0999 (Medium)

Ganz wichtig für die eigene Erinnerung finde ich, dass Reisen trotz allem etwas Besonderes bleiben. Jedes lange Wochenende wegzufahren, wäre absolut nichts für mich. Da kommt die Seele nicht mehr mit, all diese Reize und Eindrücke kann das Gehirn in so schneller Aufeinanderfolge nicht verarbeiten. Ich denke da immer an eine bestimmte Person, die extrem viel unterwegs ist. Heute vor zwei Jahren war diese Person mit mir und anderen in Lappland… Als ich letztes Jahr um diese Zeit, als der Besuch sich zum ersten Mal jährte, der Person die Frage stellte, ob sie sich auch noch so gerne an XYZ aus Lappland erinnere, war sie verwirrt. Die Erinnerung war irgendwie weg, durchmischt mit den Erinnerungen der zahlreichen anderen Trips, die Ereignisse konnten nicht mehr auseinandergehalten werden. Das hat mir wirklich zu denken gegeben. Ich bin überzeugt, dass Reisen nur einen wertvollen Platz in der Erinnerung behalten, wenn sie eben nicht zur Normalität werden. Sonst reihen sie sich aneinander wie jeder andere Wochentag, gleiten in die Bedeutungslosigkeit. Wer von uns erinnert sich schon daran, was wir vor zwei Wochen an Tag x gemacht haben?

DSC_1109 (Medium)

Darf ich vorstellen?

Als ich im Sommerurlaub* des schlechten Gewissen wegens mein Notebook zückte, um an einem unseeligen Protokoll zu werkeln, bekam ich Gesellschaft von diesem Herrn hier:

DSC_1240_ BirkenknopfhornblattwespeEr fand den Laptop, das Buch und meine Hand wahnsinnig spannend und ich fand den kleinen Kerl ehrlich gesagt auch ziemlich putzig. Allerdings wollte er mir nicht verraten, was er mal werden will, wenn er groß ist…

© vegrichtung

Auf der ziemlich coolen, aber irgendwie unübersichtlichen Seite http://www.schmetterling-raupe.de  wurde ich auch nicht fündig, weshalb ich an den netten Herrn Betreiber eine Mail schickte. Der half mir dann mit dem richtigen Link auf die Sprünge.

Jetzt weiß ich, warum Raupe Junior sich mir nicht anvertraut hat.

Er wird mal ein… M-o-n-s-t-e-r  😈 😮 😮 😮

* an die, die es noch nicht mitbekommen haben: ich war 5 Wochen in Finnland

Im Schärengebiet von Porvoo

Der finnische Sommer ist wirklich noch gekommen. Gestern waren wir im Schärengarten von Porvoo auf einer Insel, wo es ein weiteres Sommerhaus der Familie von R. gibt.

Die Zeit ist dort irgendwo in den 1960er Jahren stehen geblieben. Es gibt keine Straßen, keine Autos, aber viele, viele Sommerhäuser im Wald und am Strand zerstreut, die man nur mit dem eigenen Boot und über waldige Trampelpfade erreichen kann. Im Sommer* kommt 2 x pro Woche das Kaufmannsboot. Sonst gibt es nichts, was das zivilisatorische Herz begehrt.

Stattdessen gibt es Schärengartenromantik, Stille und Natur. Und Schlangen… ich habe nämlich schon wieder eine Ringelnatter gesehen, nachdem ich vorher fast über eine alte  Schlangenhaut gestolpert bin und auf dem Bootssteg bereits die sterblichen Überreste einer verendeten Schlage bewundert hatte. Leider war das lebendige Exemplar zu fix für ein Foto. Sie ist einfach zwischen ein paar Steinen verschwunden und ward‘ – obwohl ich die Steine peinlichst genau beobachtete – für den Rest des Tages nicht mehr gesehen.

DSC_1452Aufbruch vom Bootshafen

DSC_1456… und ab geht die Post!

DSC_1462  Angekommen.DSC_1510Ruderboot geholt, Boot zur Boje gefahren, geparkt und mit dem Ruderboot zum Strand gerudert.

DSC_1533Einfach nur da gewesen.

DSC_1497DSC_1527 Leider ist es für Außenstehende schwer in den Genuss dieser herrlichen finnischen Natur zu kommen. Anders als in Schweden, wo es einen so genanntes „Strandschutzgesetz“ (Strandskydd) gibt, das sicherstellt, dass alle die Möglichkeit haben, den Strand zu genießen und dieser nicht von Privateigentümern bebaut wird, gibt es in Finnland ein solches Gesetz nicht. In den schönsten Landschaften kommt man oft einfach nicht an den Strand, der meist in Privatbesitz, mit Sommerhäusern bebaut und nur über Privatwege zu erreichen ist. Da hilft nur eins: Selbst so ein Sommerhaus mieten oder jemanden kennen, der einen mit in sein Haus nimmt. Oder mit dem Boot die Landschaft erkunden.

* bzw. der Zeitspanne, die Finnen als Sommer bezeichnen… August gehört da aus unerfindlichen Gründen nicht mehr zu

Endlich… !

Wie der ein oder andere Blogleser vielleicht schon mitbekommen hat, verbringen wir – sofern es irgendwie möglich ist – jeden Sommer einige Zeit im Sommerhaus („Mökki“) von R’s Familie in Ostfinnland. Jetzt waren wir sogar über 2 Wochen dort. Die ersten 1,5 Wochen zeigte sich der finnische Sommer von seiner schlechtesten Seite… es regnete ständig, war kalt und windig. Das bin ich so nicht gewohnt, denn normalerweise haben wir in Savo IMMER gutes Wetter im Sommer gehabt! Seit einigen Tagen scheint aber der Sommer doch noch zu kommen… zumindest ist es wärmer geworden und heute, ausgerechnet an unserem Abfahrtstag, hatten wir Bombenwetter!

SONNE, SONNE, SONNE, angenehme 25°C und eine leichte Brise. Finnish summer at it’s best!

Das Allerschönste war aber was anderes… ich war gerade mit der Kamera dabei einen Schmetterling zu verfolgen (heute kamen sie nämlich alle raus, die bunten und hübschen, die sich 2 Wochen lang versteckt hatten!), als ich auf einmal ein seltsames Geräusch hörte, irgendwie ein Zischen aus Richtung der Blaubeerbüsche.

Und dann sah ich SIE:

DSC_1333 (Medium)

Eine Schlange! Mein ganzes Leben habe ich darauf gewartet, eine Schlange in der Natur zu sehen. Aber es sollte nicht passieren. Alle Leute sahen Schlangen („Wie, noch nie irgendwo ne Schlange gesehen?!“) und ich nie. Obwohl ich doch so oft nach Finnland reiste, wo es angeblich so viele Schlangen gibt. Obwohl ich auf jedem sonnigen Felsen mit ihr rechnete. Auf ‚unserem‘ Grundstück (also dem Grundstück vom Mökki in Ostfinnland) ist der ehemalige Besitzer sogar mal von einer Kreuzotter gebissen worden. Aber trotzdem hat seit 20 Jahren niemand mehr dort eine Schlange zu Gesicht bekommen.

Und nun sollte ich heute so ganz unverhofft dieses Glück haben! Und dann war es auch noch ein äußerst stattliches Exemplar von einer Schlange, bestimmt ein Meter lang! Wegen der Schmetterlingsaktion hatte ich die Kamera passenderweise griffbereit und konnte einen Schnappschuss machen. Perfekt!!!

Es handelt sich übrigens um eine harmlose Ringelnatter. Das wusste ich im Moment des Sehens jedoch nicht, es ging alles so wahnsinnig schnell und ich sah nur dieses zwischende schwarze Etwas neben mir, dass sehr schnell in den Blaubeerbüschen verschwandt.

Das war heute also meine Sonntagsfreude

P.S. Nein, ich finde Schlangen nicht niedlich und möchte auch keine Kreuzotter unter meinem Bett finden. Ehrlich gesagt finde ich so sogar richtig gruselig und unheimlich. Aber wahrscheinlich gerade deshalb wollte ich so gerne mal eine live in ihrer natürlichen Umgebung sehen 😉

Schönheit mit Schatten

Seit ich vor etwa einem Jahr erfahren habe, dass die Mumintassen* von Ar*bia mittlerweile in Thailand gefertigt werden, hatte ich eigentlich beschlossen nichts mehr davon zu kaufen. Die Preise sind ohnehin schon überteuert, steigen gefühlt jedes Jahr ungebrochen weiter… und wenn dann auch noch eine Produktionsverlagerung in Billiglohnländer stattfindet, werde ich wütend. Sinnlose Transporte, verstopften Straßen, verschmutzen Meere … ja, und wem dient eigentlich die Vergrößerung des Konzerngewinns?

Trotz aller guten Vorsätze konnte ich nicht widerstehen, nachdem ich diese Kanne gesehen hatte:

DSC_0015 (Medium)

Ich finde sie so schön, so wunderwunderwunderschön. Und bin zu dem Entschluss gekommen, dass meine Freude über die Kanne so groß ist, dass ich ausnahmsweise mal beide Augen zudrücke.

 

*zur Erklärung für alle „Nichtfinnen“: Das ist eine Porzellanserie, die mit den Figuren der von Tove Jansson entworfenen Mumingeschichten bedruckt sind. Neben gewissen Stammmotiven gibt es jedes Jahr neue Motivtassen (und Müslischalen und Teller…).  In Finnland sind die Tassen seit Jahrzehnten der Hit und in fast jedem Haushalt anzutreffen.

Bei Sandro in Helsinki

Durch den ganzen Ärger mit der Kamera und Prüfungsstress habe ich ganz verpasst, das ein oder andere aus meinem Finndlandurlaub zum Jahreswechsel zu berichten. Holen wir’s nach:

Als ich im August letzten Jahres von Helsinki in die Hansestadt flog, ereignete sich ein kleines Wunder: meine Sitznachbarin im Flugzeug sprach mit mir. Das habe ich auf meinen zahlreichen Finnlandflügen bislang noch nie erlebt (wenn ich den jamaikanischen Musiker vor ein paar Jahren mal außen vor lasse). Normalerweise wird klassisch geschwiegen und geradeaus gestarrt. Somit war ich zugegebenermaßen schon sehr verwundert (aber auch definitiv über die Abwechslung erfreut), als mich die finnische Nachbarin in ein Gespräch verwickelte.

Sie war nicht nur sehr nett, etwa gleich alt wie ich und in einer ähnlichen Lebenssituation, sondern auch Vegetarierin. Als wir uns 2 Stunden später verabschiedeten, war ich mit einer ganzen Liste von Helsinki-Veggie-Restaurantempfehlungen ausgestattet.

Den Zettel mit den Restaurantnamen hatte ich allerdings so gut abgeheftet, dass ich ihn nicht mehr wiederfand. Als ich jetzt 4 Monate später wieder in Helsinki war, überlegte ich also die ganze Zeit, wie nun dieses eine Restaurant geheißen hatte, dass mir die Flugzeugnachbarin so sehr ans Herz gelegt hatte. Einen Tag vor dem Rückflug fiel es mir ein: Sandro! Wir hatten gerade noch einen Abend Gelegenheit es zu testen.

Neue Restaurants mit gutem vegetarisch-veganen Angebot kennenzulernen finde ich immer spannend, zumal es in Helsinki damit ziemlich mau aussieht. Sandro hat 2 Filialen, eine in Kallio und eine in Eira. Da Kallio näher von uns ist, fuhren wir dort hin. Das Restaurant befindet sich im Erdgeschoss eines Plattenbaus. Von außen unspektakulär, aber das will in Finnland nichts heißen.

Drinnen war es jedenfalls ziemlich voll und da wir keine Reservierung hatten, wollte man uns gleich wieder für die Tür setzen. Es sei absolut nichts zu machen, alles ausgebucht. Als ich dann aber fragte, welches Restaurant mit vegetarischen Speisen man uns denn sonst empfehlen könne, bekamen wir auf einmal gar keine Antwort mehr, sondern einen kleinen Tisch zugewiesen. Geht doch!

Sandro ist ziemlich anders als alle anderen Restaurants, die ich bislang in Finnland besucht habe. Die Einrichtung mit nackten Glühbirnen, Konzertwerbeplakaten und einfachen Holzbänken ist eher spartanisch-alternativ. Speisekarten gibt es in Form eines extrem unübersichtlichen großen Zettels, der an jedem Platz liegt. Eine Getränkeliste habe ich nicht gefunden. Scheinbar ist man es gewohnt, dass die Gäste mit der Speisekarte nicht klarkommen. Jedenfalls kam bald ein junger Mann und fragte, ob wir Hilfe brauchten. Dazu muss man sagen, dass das sehr internationale Personal zum großen Teil kein Finnisch spricht und eine etwas patriarchalisch-arabische Art an den Tag legt. Freundlich ja, aber wirklich ganz unfinnisch. Es wurde mir gleich gesagt, welches Gericht zu mir „als Frau“ passt und welche Gerichte nur was für „richtige Männer“ sind. Nun ja. Ich habe dann tatsächlich das „Damengericht“ bestellt. Später habe ich mich etwas geärgert, denn ich sah, dass es auch vegane Burger gegeben hätte. Wer die unübersichtliche Speisekarte also möglichst schnell entschlüsseln kann, ist klar im Vorteil.

Mein spontaner Eindruck war, dass die Preise hier sehr hoch sind. Als dann aber der Teller kam, musste ich meine Meinung revidieren. Ich kann mich nicht erinnern, wann ich zuletzt irgendwo so eine gigantische Portion hatte. Ich bin ja ein „Vielfresser“, aber diese Platte hat mich wirklich herausgefordert. Das Essen war sehr vielseitig (unendlich viele verschiedene Zutaten), gut zubereitet und an sich echt lecker  – aber kalt und ziemlich zwiebellastig. Hätte ich vorher gewusst, dass alles kalt serviert wird, hätte ich wohl etwas anderes bestellt.

Auf jedem Tisch gab es gratis Leitungswasser, das aber eher den unangenehm chlorigen Geschmack von Turku-Wasser (= Leitungswasser in Turku, sehr schlecht schmeckend und meines Wissens aus dem Fluss?) hatte. Somit wollte ich dann doch noch etwas anderes bestellen. Der Kellner, der mir schon das „Damengericht“ empfohlen hatte, wirkte ziemlich verwundert, als ich nach Saft fragte und wollte wissen, was für welchen. Öööhhh… kommt drauf an, was so da ist, Kirschsaft vielleicht? Ganz macholike blinkte er mit dem Auge und meinte „I’ll get you something“. Er kam dann wieder mit einem Glas Apfelsaft. Da er es aber nicht in Rechnung gestellt hat, will ich mich nicht beschweren.

Das war so im Großen und Ganzen unser Besuch im Sandro. Ich war übrigens die einzige, die den Teller leer bekommen hat. Meine beiden männlichen Begleiter haben irgendwann aufgegeben. Wer richtig viel essen will, Lust auf deftige nordafrikanische und arabische Küche (mit Fleisch, vegetarisch oder vegan) hat und auch bei dem Rest denkt „super“, dem wird es bestimmt gut gefallen. Ich denke, ich werde irgendwann noch einmal hingehen und den veganen Burger probieren, auch wenn das Drumherum nicht so 100% meins war. Trotzdem bin ich echt froh, den Tipp bekommen zu haben, denn selbst hätte ich das Sandro bestimmt nie gefunden.

DSC_0331

Vorne auf der rustikalen Platte das „leichte Damengericht“