Archiv der Kategorie: Vegan essen

Omas Mokka-Sahnetorte in vegan

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Als ich Kind war, hatte ich nur einen Lieblingskuchen: „Kaffeebohnentorte von Omma“ (auf Ostwestfälisch). Leider gab’s die nur einmal im Jahr zu Omas Geburtstag an Weihnachten und irgendwann wurde die Produktion ganz eingestellt, „Weil die Torte so viel Arbeit macht“.

Als ich meine Oma letztes vorletztes Jahr um das Rezept bat, merkte ich allerdings schnell, dass das Rezept gar nicht wirklich kompliziert ist. Ich machte mich schnell ans (anfangs nicht ganz reibungslose) Nachbacken einer veganen Version, die ich dann an Weihnachten 2015 stolz der Verwandtschaft präsentierte. Eine denkbar schlechte Idee! Es hat NIEMAND außer meinen Eltern und meiner Oma die Torte auch nur angerührt, denn „igiitttttt!!!! Die ist ja vegan! Außerdem sieht die so komisch aus!“. Ich hatte Tränen in den Augen, schließlich hatte ich mit besten Absichten den ganzen Morgen des 1. Weihnachtstags in der Küche verbracht. Und nachdem meine Oma auch noch meinte „Kann man wohl essen, aber in einen Biskuit gehören IMMER Eier. Ich hab’s dir gleich gesagt, Kind!“ hatte ich endgültig die Nase voll. Undankbare Verwandtschaft! Weiterlesen

Blogparade: Was würde Dein veganes Leben enorm erleichtern?

In letzter Zeit bin ich gleich zweimal persönlich zu einer Blogparade eingeladen worden. Wow, das bin ich mit meinem kleinen Blog hier ja so gar nicht gewöhnt.

 Die erste Blogparade habe ich verpasst, aber an der zweiten Bloparade von Stefanie (http://du-veraenderst-die-welt.de/ueber-mich) nehme ich gerne teil.

 Die Frage ist:

„Stell Dir vor alles ist möglich: was würde Dein veganes Leben enorm erleichtern?“

Eine spannende Frage, über die ich auch erstmal einen Moment nachdenken musste.

Zunächst möchte ich nochmal kurz klarstellen, dass ich kein veganes Leben führe. Ich esse an den allermeisten Tagen vegan und versuche generell wenig zu konsumieren, insbesondere Plastik, Wegwerfartikel und tierische Produkte. So richtig passe ich in keine Schublade. Aber darum soll es ja auch nicht gehen. Sondern es geht darum, was mir ein veganes Leben enorm erleichtern würde.

Vor wenigen Jahren hätte ich mir wahrscheinlich hauptsächlich irgendwelche neuen Produkte gewünscht. Aber in dem Bereich hat sich so irre viel getan. Bei Edeka und Rewe gibt es mittlerweile richtig viele vegane Produkte. Und auch die Hersteller haben aufgerüstet. Veganes Eis, Joghurt, Quark, Brotaufstriche, Tofu – dafür muss ich heute nicht mehr in den Bioladen, sondern das gibt’s bei mir um die Ecke. Ganz abgesehen davon, konsumiere ich gar nicht besonders viele speziell vegane Produkte, sondern koche „ganz normal“ vegan mit viel Gemüse.

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…eigener Dill vom Balkon!

Auch viele Gaststätten bieten mittlerweile vegane Gerichte an. Die Auswahl könnte natürlich deutlich größer und vor allem einfallsreicher sein. Wer will schon auswärts immer Spaghetti mit Cocktailtomaten und Rucolasalat essen? Das mache ich mir lieber zu Hause selbst in 10 Minuten. Die vegane Küche hat deutlich einfallsreichere Gerichte zu bieten und unsere Gaststättenküche haben auf dem Gebiet noch viel aufzuholen. Aber tendentiell ist auch da ganz viel Bewegung in der Sache und da ich nicht jede Woche essen gehe, ist das auch nichts, was mir ein veganes Leben enorm erleichtern würde.

Gibt es eigentlich überhaupt etwas, das mir ein veganes Leben enorm erleichtern würde? So schwer ist es eigentlich nicht, in Deutschland vegan zu leben, wenn man es denn wirklich will.

Mir sind aber 3 Dinge ein gefallen, die ich schon sehr begrüßenswert fände:

  1. Veganer Kuchen vom Bäcker oder im Café. Ich liebe Gebäck – vor allem Kuchen, Torten, alles mit Schokolade, doch nicht immer habe ich die Zeit zum Backen und beim Bäcker gibt es für Veganer wirklich nichts außer trockenen Brötchen. Maximal noch ein Laugenbretzel. In allem Süßen, Schokoladigen, Leckeren ist Milch und Ei drin. Und die Verkäuferinnen wissen meist noch nicht einmal was „vegan“ bedeutet.

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    Erste eigene Radieschen 🙂

  2. Mehr plastikfreies, regionales, saisonales, frisches Obst und Gemüse. Die Qualität von Obst und Gemüse bei uns in den Supermärkten finde ich ehrlich gesagt desaströs. Besonders nach 17 Uhr. Vieles ist angegammelt, nicht mehr wirklich frisch und – ganz schlimm – in Plastik eingepackt. Der Plastikwahn wird immer schlimmer und macht mich einfach sowas von wütend. Es macht einfach keinen Sinn! Ich will vegan essen für mein Gewissen. Ich kann aber nicht guten Gewissens essen, wenn ich mit meinem Essen einen Plastikmüllberg produziere. Ganz davon abgesehen ist Plastik gesundheitsschädlich und man weiß beim Plastegemüse auch nie, ob es frisch ist. Rucola-Salat oder Brokkoli ist es meistens nicht. So hat man nicht nur den Plastemüll, sondern kann das Gemüse gleich in die Tonne kicken. Geht gar nicht.

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    Der Schnittlach blüht!

  3. Eine Änderung der Einstellung der Allgemeinheit: Einfach mehr OFFENHEIT. Nicht jeder muss zum Veganer mutieren, aber warum verschließen gefühlte 95% der Bevölkerung die Augen vor den gigantischen ethischen und ökologischen Problemen, die der Verzehr von tierischen Produkten mit sich bringt? Wo ist sie, die christliche Nächstenliebe, die Empathie? Warum nicht einfach mal zwischendurch mehr Veganes kochen ohne Vorbehalte und dumme Sprüche? Ich fände es deutlich befriedigender, vegan(er) zu leben, wenn ich das Gefühl hätte, dass alle zusammen an einem Strang ziehen und wir zusammen nach Lösungen suchen, um die Probleme der Gegenwart zu bekämpfen. Wenn ich aber das Gefühl habe, dass der Mehrheit ohnehin alles egal ist, dann ist „vegan leben“ für mich ein Zeichen des Protests, aber es fühlt sich ziemlich hoffnungslos an.
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    Und nochmal der Dill, weil er diesmal so schön gedeiht…

    So, das waren meine 2 Cents zur Frage. Danke nochmal für die Einladung zur Blogparade, liebe Stefanie! Ich in gespannt, was die anderen so schreiben.

Waffeln [vegan]

Ich habe den Blog in letzter Zeit ein wenig vernachlässigt *Staub wegpust*, was an ganz verschiedenen Gründen liegt. Insgesamt genieße ich es, mit dem Studium fertig zu sein und mir geht es im Moment viel besser als die ganzen letzten Jahre. Muss ja auch mal gesagt werden!

Heute habe ich endlich wieder mal was für euch und zwar DAS Waffelrezept. Vegan natürlich. Ich habe in den letzten Jahren immer mal wieder vegane Waffelrezepte ausprobiert. Alle Waffeln waren zwar ganz ok, aber eben auch nicht der Superkracher. Doch letzten Sommer überraschte mich ein Rezept wirklich positiv. Allerdings musste die Verfeinerung noch bis nach Weihnachten warten, da ich bis dahin zu Hause noch kein eigenes Waffeleisen besaß. Nun habe ich die Waffeln schon bestimmt 4 Mal erneut gebacken, immer mal wieder ein bisschen herumprobiert und traue mich nun endlich das Rezept auch hier im Blog zu veröffentlichen. Es ist soooo lecker ❤ !!!

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Malai Kofta mit cremiger Soße und Naan [vegan]

Zu Weihnachten hatte ich meiner Mama geschenkt, dass ich an einem Tag für uns alle indisch koche. Dieser Tag war gestern. Und es wurde definitiv das beste indische Essen, das ich je gekocht habe. Es war sogar besser als bei meinem Lieblingsnepalesen in Helsinki, was ich vorher nicht für möglich gehalten hätte. Deshalb muss ich hier unbedingt festhalten, aus welchen Komponenten sich das Ganze zusammengesetzt hat.

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Übrigens war ich bislang immer der Meinung, dass man indisches Essen zwar gut veganisieren kann, dass der perfekte Kick allerdings doch meist ein bisschen „richtige“ Sahne, Ghee, Kuhmilchjoghurt oder Paneer Käse erfordert. Nope. Ich habe mich offensichtlich geirrt. Gestern waren wir ganz vegan unterwegs und ganz ehrlich: wenn ich es nicht selbst zubereitet hätte, hätte ich nicht geglaubt, dass da keine Milchprodukte drin sind.

Ich habe mich bei diesem Gericht stark von anderen Rezepten inspirieren lassen. Neu sind nur kleinere Änderungen und die Kombination der Soße mit den Malai Kofta. Weiterlesen

Lieblingslasagne [vegan]

Schon seit fast vier Jahren bereite ich Lasagne nur nach einem bestimmten Rezept zu. Es ist nämlich unschlagbar und gehört damit längst auf diesen Blog. Das Ursprungsrezept hatte ich damals mal auf vegan.de gefunden. Leider ist es dort nicht mehr aufzufinden. Aber zum Glück habe ich meine eigene Kopie, die ich etwas abgeändert und erweitert habe – z.B. mit den grünen Bohnen, die das Geschmackserlebnis nochmal um eine Stufe verbessern und die Lasagne auf den unangefochtenen Platz 1 aller von mir jemals verspeisten Lasagnen befördern 😉 .

DSC_2012 Ich kann auch Nicht-Veganern nur empfehlen, es mal nach dieser Variante zu probieren, denn die Soße ist einfach so lecker… ich könnte mich reinlegen ^^’.

Für 2-3 hungrige Personen:

Zutaten für die Füllung:

  • Lasagnebläter
  • 2 Zwiebeln, klein gewürfelt
  • 1 Knoblauchzehe, klein gehackt
  • 5 EL mildes Rapsöl
  • 1 Aubergine, gewürfelt
  • 250g Brechbohnen, tiefgekühlt oder frisch
  • 2 Karotten, geraspelt oder klitzeklein geschnitten
  • 350 ml Gemüsebrühe
  • 100 g Grünkernschrot
  • 1/2 Dose gehackte Tomaten
  • 3 EL Sojasoße
  • 1 EL Oregano
  • 1 EL Basilikum
  • 1 Messerspitze Cayenne-Pfeffer

Zutaten für die Soße:

  • 50 g Margarine
  • 50 g Mehl
  • 50 g Hefeflocken
  • 500 ml Wasser
  • 1 TL Muskatnuss
  • 1 EL mittelscharfer Senf
  • Salz und Pfeffer nach Bedarf

Die Auberginen in Öl rundherum goldbraun anbraten. Parallel in einem großen Topf die Zwiebeln und den Knoblauch in heißem Öl glasig dünsten, Karotten dazugeben. Nach ca. 2 Minuten das Tomatenmark unterrühren, ein paar Mal umrühren und anschließend die Gemüsebrühe zugießen. Dann die Bohnen und die Auberginen dazugeben. Würzen.

Während alles gemütlich vor sich hinköchelt, die Margerine im Topf schmelzen, das Mehl mit einem Schneebesen unterrühren und unter ständigem Rühren nach und nach das Wasser hinzugießen. Mit Senf, Muskatnuss, Salz/Pfeffer würzen (Salz ist aber eigentlich gar nicht nötig, denn dank Sojasoße und Gemüsebrühe enthält dieses Gericht wirklich schon genug Salz) und die Soße einmal aufkochen lassen.

Eine gefettte Auflaufform mit der Füllung ausstreichen, Lasagneblätter drauflegen, Soße drübergießen und weiter schichten, bis die Form gefüllt ist. Zum Schluss die restliche Soße drübergießen und die Lasagne für 45 Minuten auf Ober- und Unterhitze in den auf 200°C vorgeheizten Ofen schieben.

FERTIG!

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Wenn man alles alleine macht, braucht die Vorbereitung etwa eine Stunde. Ganz fix ist das Rezept also nicht. Wegen dem viele Töpfe-Spülen ist es auch nicht unbedingt für einen stressigen Arbeitstag geeignet. Aber es ist perfekt für ein Wohlfühl-Wochenende. Und für den unwahrscheinlichen Fall, dass etwas übrig bleibt, kann ich euch versprechen: Am nächsten Tag ist die Lasagne NOCH besser!

Honig (Bienen III)

… ist das Thema des letzten Teils meiner Bienenserie (Teil 1, Teil 2), die ich eigentlich schon im Sommer zum Ende bringen wollte. Was ist Honig, wie wird er hergestellt, was sollte man beim Honigkauf beachten und wie ethisch ist Honig eigentlich? Die letzte Frage kann ich zwar nicht abschließend beantworten, aber ich habe zumindest ein paar Gedanken zum dem Thema. Zu den anderen Punkten habe ich diesen Frühling/Sommer im Unikurs einiges Wissenswertes gelernt.

ACHTUNG, VIEL TEXT.

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Fantastischer Erdbeerkuchen

Gestern habe ich das erste Mal im Leben einen Erdbeerkuchen selbst gebacken. Ziemlich freestyle und vegan – aber er wurde zu meinem Überraschen bombastisch! Deshalb muss das Rezept auch gleich auf den Blog.

DSC_0487 (Medium)Leider war der Kuchen so schnell aufgegessen, dass es für ein richtig gutes Foto nicht gereicht hat…

Ich habe übrigens bewusst keinen Tortenguss verwendet, denn genau diese glibberige Masse ist der Grund, warum ich auch vorher nie Erdbeerkuchen gebacken habe. Erbeeren pur schmecken mir nämlich viel besser als in Glibber eingetunkt.

Für den Boden wird benötigt:

  • 100 Gramm Rohrohrzucker
  • 2 Päckchen Vanillezucker
  • 110 Gramm Margarine
  • 65 Gramm Soja-Joghurt (natur)
  • ca. 130 g Seidentofu (ich habe nicht gemessen *hust*, der Wert ist nachträglich geschätzt)
  • 200 Gramm Mehl
  • 2 TL Backpulver
  • 1/4 TL Salz

Für die Füllung:

  • ca. 500 g frische Erdbeeren
  • 2 Pakete Alnatura Soja-Sahne (aufschlagbar, gibt es bei DM)
  • 2 Päckchen Sahnesteif
  • 1 Päckchen Vanille-Zucker

Ofen auf 180 Grad vorheizen und die Sojasahne kalt stellen. Seidentofu mit dem Schneebesen schlagen und beseite stellen. Margarine, Zucker und Vanillezucker in eine Schüssel geben und gut verrühren. Sobald der Teig eine einheitliche Konsistenz hat, Soja-Joghurt und abschließend Seidentofu hineinrühren. In einer anderen Schlüssel Mehl, Backpulver und Salz mischen. Dann das Mehl langsam zur Margarine-Zucker-Joghurt-Tofu-Mischung dazugeben und unterrühren. Alles in eine runde Springform füllen (mit Backpapier ausgekleidet) und ab in den Ofen damit. Backzeit: 25-30 Minuten (Zahnstocher-Test).

Während der Boden auskühlt, Erdbeeren waschen und vierteln. Die kalte Sojasahne mit Sahnesteif schlagen bis sie steif ist. Anschließend den Vanillezucker unterrühren. Die fertige Schlagsahne noch ein wenig in den Kühlschrank stellen bis der Boden richtig gut ausgekühlt ist bzw. am besten bis kurz vor dem Servieren. Dann den Boden mit ein wenig Schlagsahne bestreichen (angeblich weicht er so nicht so schnell durch… aber auch geschmacklich passt es sehr gut) und die Erdbeeren drapieren. Mit der restlichen Schlagsahne (das dürfte noch eine ziemlich große Menge sein) servieren.

Mjamm! Ich sage euch, der Kuchen überlebt nicht lange.

P.S. Überrascht war ich, wie lecker die Soja-Schlagsahne wurde, da mich viele Ersatzprodukte geschmacklich nicht überzeugen. Aber zusammen mit dem Vanillezucker wurde diese Schlagsahne wirklich sehr gut.

Bei Sandro in Helsinki

Durch den ganzen Ärger mit der Kamera und Prüfungsstress habe ich ganz verpasst, das ein oder andere aus meinem Finndlandurlaub zum Jahreswechsel zu berichten. Holen wir’s nach:

Als ich im August letzten Jahres von Helsinki in die Hansestadt flog, ereignete sich ein kleines Wunder: meine Sitznachbarin im Flugzeug sprach mit mir. Das habe ich auf meinen zahlreichen Finnlandflügen bislang noch nie erlebt (wenn ich den jamaikanischen Musiker vor ein paar Jahren mal außen vor lasse). Normalerweise wird klassisch geschwiegen und geradeaus gestarrt. Somit war ich zugegebenermaßen schon sehr verwundert (aber auch definitiv über die Abwechslung erfreut), als mich die finnische Nachbarin in ein Gespräch verwickelte.

Sie war nicht nur sehr nett, etwa gleich alt wie ich und in einer ähnlichen Lebenssituation, sondern auch Vegetarierin. Als wir uns 2 Stunden später verabschiedeten, war ich mit einer ganzen Liste von Helsinki-Veggie-Restaurantempfehlungen ausgestattet.

Den Zettel mit den Restaurantnamen hatte ich allerdings so gut abgeheftet, dass ich ihn nicht mehr wiederfand. Als ich jetzt 4 Monate später wieder in Helsinki war, überlegte ich also die ganze Zeit, wie nun dieses eine Restaurant geheißen hatte, dass mir die Flugzeugnachbarin so sehr ans Herz gelegt hatte. Einen Tag vor dem Rückflug fiel es mir ein: Sandro! Wir hatten gerade noch einen Abend Gelegenheit es zu testen.

Neue Restaurants mit gutem vegetarisch-veganen Angebot kennenzulernen finde ich immer spannend, zumal es in Helsinki damit ziemlich mau aussieht. Sandro hat 2 Filialen, eine in Kallio und eine in Eira. Da Kallio näher von uns ist, fuhren wir dort hin. Das Restaurant befindet sich im Erdgeschoss eines Plattenbaus. Von außen unspektakulär, aber das will in Finnland nichts heißen.

Drinnen war es jedenfalls ziemlich voll und da wir keine Reservierung hatten, wollte man uns gleich wieder für die Tür setzen. Es sei absolut nichts zu machen, alles ausgebucht. Als ich dann aber fragte, welches Restaurant mit vegetarischen Speisen man uns denn sonst empfehlen könne, bekamen wir auf einmal gar keine Antwort mehr, sondern einen kleinen Tisch zugewiesen. Geht doch!

Sandro ist ziemlich anders als alle anderen Restaurants, die ich bislang in Finnland besucht habe. Die Einrichtung mit nackten Glühbirnen, Konzertwerbeplakaten und einfachen Holzbänken ist eher spartanisch-alternativ. Speisekarten gibt es in Form eines extrem unübersichtlichen großen Zettels, der an jedem Platz liegt. Eine Getränkeliste habe ich nicht gefunden. Scheinbar ist man es gewohnt, dass die Gäste mit der Speisekarte nicht klarkommen. Jedenfalls kam bald ein junger Mann und fragte, ob wir Hilfe brauchten. Dazu muss man sagen, dass das sehr internationale Personal zum großen Teil kein Finnisch spricht und eine etwas patriarchalisch-arabische Art an den Tag legt. Freundlich ja, aber wirklich ganz unfinnisch. Es wurde mir gleich gesagt, welches Gericht zu mir „als Frau“ passt und welche Gerichte nur was für „richtige Männer“ sind. Nun ja. Ich habe dann tatsächlich das „Damengericht“ bestellt. Später habe ich mich etwas geärgert, denn ich sah, dass es auch vegane Burger gegeben hätte. Wer die unübersichtliche Speisekarte also möglichst schnell entschlüsseln kann, ist klar im Vorteil.

Mein spontaner Eindruck war, dass die Preise hier sehr hoch sind. Als dann aber der Teller kam, musste ich meine Meinung revidieren. Ich kann mich nicht erinnern, wann ich zuletzt irgendwo so eine gigantische Portion hatte. Ich bin ja ein „Vielfresser“, aber diese Platte hat mich wirklich herausgefordert. Das Essen war sehr vielseitig (unendlich viele verschiedene Zutaten), gut zubereitet und an sich echt lecker  – aber kalt und ziemlich zwiebellastig. Hätte ich vorher gewusst, dass alles kalt serviert wird, hätte ich wohl etwas anderes bestellt.

Auf jedem Tisch gab es gratis Leitungswasser, das aber eher den unangenehm chlorigen Geschmack von Turku-Wasser (= Leitungswasser in Turku, sehr schlecht schmeckend und meines Wissens aus dem Fluss?) hatte. Somit wollte ich dann doch noch etwas anderes bestellen. Der Kellner, der mir schon das „Damengericht“ empfohlen hatte, wirkte ziemlich verwundert, als ich nach Saft fragte und wollte wissen, was für welchen. Öööhhh… kommt drauf an, was so da ist, Kirschsaft vielleicht? Ganz macholike blinkte er mit dem Auge und meinte „I’ll get you something“. Er kam dann wieder mit einem Glas Apfelsaft. Da er es aber nicht in Rechnung gestellt hat, will ich mich nicht beschweren.

Das war so im Großen und Ganzen unser Besuch im Sandro. Ich war übrigens die einzige, die den Teller leer bekommen hat. Meine beiden männlichen Begleiter haben irgendwann aufgegeben. Wer richtig viel essen will, Lust auf deftige nordafrikanische und arabische Küche (mit Fleisch, vegetarisch oder vegan) hat und auch bei dem Rest denkt „super“, dem wird es bestimmt gut gefallen. Ich denke, ich werde irgendwann noch einmal hingehen und den veganen Burger probieren, auch wenn das Drumherum nicht so 100% meins war. Trotzdem bin ich echt froh, den Tipp bekommen zu haben, denn selbst hätte ich das Sandro bestimmt nie gefunden.

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Vorne auf der rustikalen Platte das „leichte Damengericht“