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Bei Sandro in Helsinki

Durch den ganzen Ärger mit der Kamera und Prüfungsstress habe ich ganz verpasst, das ein oder andere aus meinem Finndlandurlaub zum Jahreswechsel zu berichten. Holen wir’s nach:

Als ich im August letzten Jahres von Helsinki in die Hansestadt flog, ereignete sich ein kleines Wunder: meine Sitznachbarin im Flugzeug sprach mit mir. Das habe ich auf meinen zahlreichen Finnlandflügen bislang noch nie erlebt (wenn ich den jamaikanischen Musiker vor ein paar Jahren mal außen vor lasse). Normalerweise wird klassisch geschwiegen und geradeaus gestarrt. Somit war ich zugegebenermaßen schon sehr verwundert (aber auch definitiv über die Abwechslung erfreut), als mich die finnische Nachbarin in ein Gespräch verwickelte.

Sie war nicht nur sehr nett, etwa gleich alt wie ich und in einer ähnlichen Lebenssituation, sondern auch Vegetarierin. Als wir uns 2 Stunden später verabschiedeten, war ich mit einer ganzen Liste von Helsinki-Veggie-Restaurantempfehlungen ausgestattet.

Den Zettel mit den Restaurantnamen hatte ich allerdings so gut abgeheftet, dass ich ihn nicht mehr wiederfand. Als ich jetzt 4 Monate später wieder in Helsinki war, überlegte ich also die ganze Zeit, wie nun dieses eine Restaurant geheißen hatte, dass mir die Flugzeugnachbarin so sehr ans Herz gelegt hatte. Einen Tag vor dem Rückflug fiel es mir ein: Sandro! Wir hatten gerade noch einen Abend Gelegenheit es zu testen.

Neue Restaurants mit gutem vegetarisch-veganen Angebot kennenzulernen finde ich immer spannend, zumal es in Helsinki damit ziemlich mau aussieht. Sandro hat 2 Filialen, eine in Kallio und eine in Eira. Da Kallio näher von uns ist, fuhren wir dort hin. Das Restaurant befindet sich im Erdgeschoss eines Plattenbaus. Von außen unspektakulär, aber das will in Finnland nichts heißen.

Drinnen war es jedenfalls ziemlich voll und da wir keine Reservierung hatten, wollte man uns gleich wieder für die Tür setzen. Es sei absolut nichts zu machen, alles ausgebucht. Als ich dann aber fragte, welches Restaurant mit vegetarischen Speisen man uns denn sonst empfehlen könne, bekamen wir auf einmal gar keine Antwort mehr, sondern einen kleinen Tisch zugewiesen. Geht doch!

Sandro ist ziemlich anders als alle anderen Restaurants, die ich bislang in Finnland besucht habe. Die Einrichtung mit nackten Glühbirnen, Konzertwerbeplakaten und einfachen Holzbänken ist eher spartanisch-alternativ. Speisekarten gibt es in Form eines extrem unübersichtlichen großen Zettels, der an jedem Platz liegt. Eine Getränkeliste habe ich nicht gefunden. Scheinbar ist man es gewohnt, dass die Gäste mit der Speisekarte nicht klarkommen. Jedenfalls kam bald ein junger Mann und fragte, ob wir Hilfe brauchten. Dazu muss man sagen, dass das sehr internationale Personal zum großen Teil kein Finnisch spricht und eine etwas patriarchalisch-arabische Art an den Tag legt. Freundlich ja, aber wirklich ganz unfinnisch. Es wurde mir gleich gesagt, welches Gericht zu mir „als Frau“ passt und welche Gerichte nur was für „richtige Männer“ sind. Nun ja. Ich habe dann tatsächlich das „Damengericht“ bestellt. Später habe ich mich etwas geärgert, denn ich sah, dass es auch vegane Burger gegeben hätte. Wer die unübersichtliche Speisekarte also möglichst schnell entschlüsseln kann, ist klar im Vorteil.

Mein spontaner Eindruck war, dass die Preise hier sehr hoch sind. Als dann aber der Teller kam, musste ich meine Meinung revidieren. Ich kann mich nicht erinnern, wann ich zuletzt irgendwo so eine gigantische Portion hatte. Ich bin ja ein „Vielfresser“, aber diese Platte hat mich wirklich herausgefordert. Das Essen war sehr vielseitig (unendlich viele verschiedene Zutaten), gut zubereitet und an sich echt lecker  – aber kalt und ziemlich zwiebellastig. Hätte ich vorher gewusst, dass alles kalt serviert wird, hätte ich wohl etwas anderes bestellt.

Auf jedem Tisch gab es gratis Leitungswasser, das aber eher den unangenehm chlorigen Geschmack von Turku-Wasser (= Leitungswasser in Turku, sehr schlecht schmeckend und meines Wissens aus dem Fluss?) hatte. Somit wollte ich dann doch noch etwas anderes bestellen. Der Kellner, der mir schon das „Damengericht“ empfohlen hatte, wirkte ziemlich verwundert, als ich nach Saft fragte und wollte wissen, was für welchen. Öööhhh… kommt drauf an, was so da ist, Kirschsaft vielleicht? Ganz macholike blinkte er mit dem Auge und meinte „I’ll get you something“. Er kam dann wieder mit einem Glas Apfelsaft. Da er es aber nicht in Rechnung gestellt hat, will ich mich nicht beschweren.

Das war so im Großen und Ganzen unser Besuch im Sandro. Ich war übrigens die einzige, die den Teller leer bekommen hat. Meine beiden männlichen Begleiter haben irgendwann aufgegeben. Wer richtig viel essen will, Lust auf deftige nordafrikanische und arabische Küche (mit Fleisch, vegetarisch oder vegan) hat und auch bei dem Rest denkt „super“, dem wird es bestimmt gut gefallen. Ich denke, ich werde irgendwann noch einmal hingehen und den veganen Burger probieren, auch wenn das Drumherum nicht so 100% meins war. Trotzdem bin ich echt froh, den Tipp bekommen zu haben, denn selbst hätte ich das Sandro bestimmt nie gefunden.

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Vorne auf der rustikalen Platte das „leichte Damengericht“

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Winterwunderland

Soo… da bin ich wieder, zurück aus Finnland, dem Winterwunderland. An einigen Tagen konnte man zwar eher von einem Matschwunderland sprechen (finnischer „Frühling“ bedeutet in erster Linie Schneematsch ohne Ende, Glätte und aufgetaute Hundehaufen…), aber insgesamt hatten wir noch schönes sonniges Winterwetter bei zeitweise doch sehr frostigen Temperaturen. Insgesamt eine sehr angenehme Pause vom Alltag :-).

Da Bilder mehr sagen als Worte, hier ein paar Impressionen.

Richtiger Winter

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Eiszapfen am Wohnhaus

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Schneeräumer befreien das Dach von der Schneelast

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Eingeschneites Auto

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